Arten & Lebensräume

Tiere im Naturpark

Der Steinkrebs

Der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) ist eine der seltensten und am stärksten bedrohten Tierarten im Naturpark Ybbstal. Er lebt in kühlen, sauberen Bächen und versteckt sich tagsüber unter Steinen, Wurzeln oder Totholz. Mit seiner braunen Färbung und den kräftigen Scheren ist er perfekt an seinen Lebensraum angepasst. Da der Steinkrebs sehr empfindlich auf Verschmutzung reagiert, gilt er als wichtiger Anzeiger für intakte Gewässer.

Im Naturpark Ybbstal kommt der Steinkrebs vor allem in kleinen Seitenbächen der Ybbs vor. Sein Bestand ist jedoch gefährdet: Die größte Bedrohung ist die sogenannte Krebspest, die von eingeschleppten amerikanischen Krebsarten wie dem Signalkrebs übertragen wird. Auch Gewässerverschmutzung und veränderte Bachläufe setzen ihm zu.

Deshalb engagiert sich der Naturpark Ybbstal intensiv für den Schutz dieser besonderen Art. Bestände werden erfasst, Lebensräume verbessert und bedrohte Bachabschnitte gesichert.

Biodiversität im Fluss
©Thijmen Jurjen Piek
Forstheide Amstetten
©Ronnie Walcher

Der Gelbringfalter

Der Gelbringfalter ist eine seltene und geschützte Schmetterlingsart, die in der Forstheide im erweiterten Naturpark Ybbstal vorkommt. Er bevorzugt lichte Föhrenwälder und sonnige Waldränder – genau jene Lebensräume, die die Forstheide prägen. Auffällig sind die gelb umrandeten Augenflecken auf den dunkelbraunen Flügeln, denen der Falter seinen Namen verdankt.

Die Raupen des Gelbringfalters leben auf verschiedenen Grasarten am Waldboden. Deshalb ist es wichtig, dass offene, sonnige Stellen zwischen den Föhren erhalten bleiben. Werden die Flächen zu dicht bewaldet oder verbuschen sie, verliert der Falter seinen Lebensraum.

In der Forstheide gilt der Gelbringfalter als besondere Rarität und steht unter Schutz der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Sein Vorkommen zeigt, wie wertvoll und artenreich die Forstheide für seltene Tierarten ist.

Pflanzen im Naturpark

Die Schneerose

Die Schneerose (Helleborus niger), auch Christrose genannt, gehört zu den auffälligsten Pflanzen im Naturpark Ybbstal. Sie wächst in den lichten Buchenmischwäldern der Region und blüht oft schon zwischen Februar und April – manchmal sogar, wenn noch Schnee liegt. Mit ihren großen weißen Blüten bringt sie mitten im Winter die ersten Farbtupfer in den Wald.

Die Schneerose ist besonders gut an ihren Lebensraum angepasst. Im Winter profitiert sie vom Sonnenlicht, das durch die kahlen Bäume auf den Waldboden fällt. Im Sommer schützen die belaubten Bäume die Pflanze vor Hitze und Trockenheit. Trotz ihres zarten Aussehens ist die Schneerose leicht giftig und sollte nicht gepflückt werden.

Früher wurde die Wurzel der Schneerose zu Niespulver und als Ersatz für Schnupftabak verwendet. Heute steht die Pflanze unter Schutz und ist ein wertvoller Bestandteil der artenreichen Wälder im Naturpark Ybbstal. Wussten Sie, dass sich die Schneerose zur Verbreitung ihrer Samen Ameisen bedient, die die nahrhaften Samen im Wald verteilen?

Schneerosen
©Ronnie Walcher
Frühlingsknotenblume
©Ronnie Walcher

Die Frühlings-Knotenblume

Die Frühlingsknotenblume (Leucojum vernum), auch Märzenbecher genannt, gehört zu den ersten Blütenpflanzen im Naturpark Ybbstal. Bereits im März erscheinen ihre weißen, glockenförmigen Blüten mit den typischen grünen Punkten an den Spitzen. Oft wächst sie in feuchten Laubwäldern und entlang kleiner Bäche, wo der Boden nährstoffreich und im Frühjahr ausreichend feucht ist.

Die Frühlingsknotenblume ist perfekt an das frühe Frühjahr angepasst. Noch bevor die Bäume austreiben, nutzt sie das Sonnenlicht am Waldboden. Nach der Blüte zieht sich die Pflanze wieder in ihre Zwiebel zurück und überdauert so den Sommer unter der Erde.

Wie die Schneerose lässt auch die Frühlingsknotenblume ihre Samen von Ameisen verbreiten. Diese tragen die Samen fort, weil sie deren nahrhaften Anhängsel fressen. Da die Frühlingsknotenblume selten geworden ist und empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums reagiert, steht sie heute unter Naturschutz. 

Orchideen im Naturpark Ybbstal

Im Naturpark Ybbstal wachsen zahlreiche heimische Orchideenarten, die zu den seltensten und faszinierendsten Pflanzen der Region zählen. Sie kommen vor allem auf mageren Wiesen, in lichten Wäldern und an sonnigen Waldrändern vor. Besonders bekannt sind Arten wie das Gefleckte Knabenkraut oder die Fliegen-Ragwurz.

Viele Orchideen sind hoch spezialisiert: Manche können nur auf ganz bestimmten Böden wachsen, andere sind auf einzelne Insekten zur Bestäubung angewiesen. Die Fliegen-Ragwurz täuscht zum Beispiel mit Form und Duft ihrer Blüte ein Insekt vor und lockt so Bestäuber an.

Da Orchideen sehr empfindlich auf Veränderungen reagieren, sind sie ein wichtiger Hinweis auf naturnahe und artenreiche Lebensräume. Werden Wiesen gedüngt, zu früh gemäht oder verbuschen offene Flächen, verschwinden sie rasch. Deshalb stehen alle heimischen Orchideen unter Schutz und werden im Naturpark Ybbstal besonders sorgfältig erhalten.

Orchidee
©Ronnie Walcher

Lebensräume im Naturpark Ybbstal

Das Landschaftsbild des Naturparks Ybbstal wird von zwei besonders wertvollen Schutzgebieten geprägt: dem Landschaftsschutzgebiet Buchenberg und dem Landschaftsschutzgebiet Forstheide. Beide Gebiete bewahren seltene Lebensräume und bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen geschützten Rückzugsraum.

Die Forstheide zählt zu den artenreichsten Landschaften der Region. Allein hier kommen 13 Lebensraumtypen der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie vor. Dazu gehören beeindruckende Schlucht- und Hangmischwälder, der seltene Buchen-Orchideen-Kalkbuchenwald sowie artenreiche Kalktrockenrasen. Diese besonderen Lebensräume machen die Forstheide zu einem wichtigen Naturraum weit über das Ybbstal hinaus.

Ein weiteres Naturjuwel ist das Naturdenkmal Ofenloch – eine markante Felsformation, die durch ihre geologische Besonderheit und ihre naturnahe Umgebung beeindruckt.

Das Europaschutzgebiet Niederösterreichische Alpenvorlandflüsse durchzieht die Gemeinden Amstetten, Winklarn, Allhartsberg und Sonntagberg entlang der Ybbs. Der Fluss prägt die Landschaft, schafft wertvolle Lebensräume und verbindet die Gemeinden entlang der Ybbs auf besondere Weise.